Ein kabarettistischer Tastenanschlag

In Passform mit dem Instrument, leicht gekrümmt die Haltung - so sitzt Martin Lüker in seinem Anzug am Klavier. Gerade so, als müsste er sich vor der Strafe einer höheren Instanz drücken, ob seines frechen Mundwerkes. Schaut er ins Publikum, blitzt der Schalk aus seinen Augen, nein, er hat sich in das ganze Gesicht des Mittdreißiger eingegraben. "Böses und Bissiges, gerüttelt und gerührt" möchte der sympathische Ostwestfale Martin Lüker präsentieren und dringt infolge, sich selbst mit exzellentem Klavierspiel begleitend, mit viel Dynamik durch ein Labyrinth der Absurditäten und Albernheiten.


Von innen schön heißt sein Programm - wer es hört und sieht möchte es glauben. Punkt eins ist natürlich man selbst. "Ich bin ein ganz Spezieller, allein mein Geist strahlt irgendwie heller", hochnäselt Lükers Tenor bravourös, positioniert ihn als unendlich anziehend in der ansonsten ja so öden Herrenwelt. Jovial kann er werden, der Martin, "My name is Lüker, ich singe lauter dummes Zeug", ahmt er dann den Hit von Susannne Vega nach, hält aber auch einmal inne, fällt überraschend aus der gerade gespielten Rolle. "Man kann nicht immer komisch sein, Komik kommt von innen", sinniert der verkannte Philosoph laut und mit leichtem Pathos, scheinbar ungerührt vom Kichern in den Reihen.

 

 

„Ekel sein“